Andreas Zwengel

Die Welt am Abgrund

Hardcover, A5, 245 Seiten
2. überarbeitet Auflage
ISBN: 978-3-86440-101-5
Preis: 16,20 € (inkl. MwSt)

Im Berlin der Kaiserzeit tauchen mysteriöse Schriftzeichen auf, gleichzeitig werden überall in Europa unterirdische Schäden in Bergwerken gemeldet. Ein Sonderermittler des Auswärtigen Amtes und ein Professor der Geschichte entdecken Hinweise auf ein fremdes Volk, das in den Höhlensystemen Europas lebt. Welche Rolle spielt dabei ein übersinnlich begabtes Mädchen, das von skrupellosen Wis-senschaftlern gequält wurde und nun auf der Flucht vor den Kopfgeldjägern eines Geheimbundes ist? Die Spur führt vom Boxeraufstand in Peking ins deutsche Kaiserreich. Von den Tiefen der neugebauten Berliner U-Bahn in die Gondel des ersten Zeppelins und sogar in die Manege von Buffalo Bills Wild-West-Show, bis es schließlich im Schweizer Untergrund zur letzten Konfrontation kommt ...

Neuer deutscher Steampunk. (Verena Wolf, Phantastik-Couch.de)

Die Welt am Abgrund ist ein wahrhaft außergewöhnliches Werk in der Tradition des Steampunk. ( Daniel Bauerfeld, Nautilus-Magazin #79)

Ein Roman, den man so schnell nicht aus der Hand legen mag. (Erik Schreiber, Der phantastische Bücherbrief #565)

Zwengel erzählt stilistisch solide und inhaltlich packend eine herrlich überdrehte Steampunk-Story. (Carsten Kuhr, Phantastik-News.de)

Andreas Zwengel hat einen wirklich rasanten Roman geschaffen, der sich nicht vor den großen Namen zu verstecken braucht.
(Chris Schlicht, fantasyguide.de)

Der Siegerroman der Ausschreibung des Onlinemagazins www.geisterspiegel.de


Rezension aus clockworker.de
Stimmige Steampunkgeschichten müssen nicht immer im viktorianischen England spielen.
Dass diese Aussage durchaus berechtigt ist, beweist Andreas Zwengel mit seinem ersten Roman “Die Welt am Abgrund”, dessen Handlung sich in (und teilweise auch unter) China, Deutschland und der Schweiz abspielt.
In kurzen und prägnanten Sätzen webt der Autor auf 243 Seiten eine fesselnde Geschichte über ein geheimnisvolles Untergrundvolk, das sich mit Hilfe von Sabotageakten und Attentaten seiner Entdeckung durch die bismarkschen Autoritäten zu entziehen versucht.
Auf eine all zu genaue Zusammenfassung des Inhaltes möchte ich an dieser Stelle verzichten, da die unvorhersehbaren Entwicklungen und überraschenden Wendungen, mit welchen sich die Hauptfiguren im Laufe der Geschichte konfrontiert sehen, den Leser zum mitraten animieren – und diesen Spaß möchte ich keinem nehmen.
Jedoch sei so viel gesagt: Wer sich an der detektivischen Zusammenarbeit eines heruntergekommenen Ex-Polzisten und eines sarkastischen Professors, an Geheimräten, ausgestorbenen Sprachen, seltsamen Experimenten und einer Verfolgungsjagd zwischen Zeppelin und Land-Leviathan erfreuen kann, dem dürfte
es bei dieser Lektüre kaum langweilig werden.

“Die Welt am Abrund” war übrigens Siegerroman einer Ausschreibung des Onlinemagazins Geisterspiegel.de und verdiente sich somit ein Erscheinen als Hardcoverbuch beim Persimplex Verlag.

Sylke Brandt


Rezension aus fantasyguide.de vom 10.04.2010
In England werden Bohrmaschinen zur Erzförderung zerstört. Ein nach China ausgewandertes Ehepaar bekommt eine Tochter und wird in den ersten aufkeimenden Kämpfen des Boxeraufstandes scheinbar von den Chinesen getötet. Das Kindermädchen der Familie hat das Kind mitgenommen und wird in Peking von einem jungen Mann erwischt. Sie schießt auf ihn.

In Deutschland wird Walther Seyferd als Sonderermittler des Auswärtigen Amtes einberufen. Zusammen mit dem überheblichen Professor Piscator soll er herausfinden, was es mit einem seltsamen Zeichen auf sich hat, das an verschiedenen Orten in Europa immer an einer Unglücksstelle auftauchte. Man befürchtet, dass auf die neu gebaute U-Bahn in der Hauptstadt ein Anschlag verübt werden soll denn auch dort wurde das Zeichen entdeckt.

Tatsächlich geschieht ein Unglück in der U-Bahn und die beiden grundverschiedenen Männer stoßen auf einen Albino, der eine tote Sprache spricht. Doch bevor sie ihn befragen können, wird er von einer anderen Gruppe Männern getötet.

Als Seyferd auf einer Landkarte erkennt, was es mit dem Zeichen auf sich hat und es Piscator tatsächlich gelingt, den Hintergrund zu ermitteln, überschlagen sich die Ereignisse. Ein Anschlag wird auf ihr Büro verübt, Piscator wird in eine Irrenanstalt verlegt, wo man ihn unter Drogen setzt und mundtot macht. Seyferd kann ihn befreien, aber sie verlieren damit nahezu jede Unterstützung und sind auf sich gestellt.

Währenddessen wird an einem geheimen Ort ein Mädchen getestet, das über nahezu irrsinnige Fähigkeiten verfügt – tödliche Fähigkeiten...

Die Geschichte beginnt mit einem Kracher im Prolog, geht dann aber eher behäbig weiter. Ein Ehepaar wird mit all seinen Macken und Hintergründen beschrieben, spielt dann aber keine Rolle mehr. Geschichtliche Gegebenheiten wirken am Anfang eher wie Infodump, zu viel rohe Information ohne Leben auf zu wenigen Seiten. Man wird nach dem ersten und auch dem zweiten Kapitel den Eindruck nicht los, es mit einem zweiten und dritten Prolog zu tun zu haben, auch wenn ein Happen Action darin ist.

Aber dann.

Dann legt der Roman richtig los und man legt ihn nicht mehr aus der Hand. Wer die ersten Kapitel durchhält, wird mit einer temporeichen, unheimlichen und nicht gerade zimperlichen Verschwörungsgeschichte um ein Mädchen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und verschiedenen Gruppen von Menschen mit unterschiedlichsten Zielen belohnt. All das ist spielt vor einem offensichtlich gut recherchierten Hintergrund im Deutschland der Jahrhundertwende, spart aber auch nicht mit Steampunk- und fantastischen Elementen.

Die Charaktere sind selbst in ihren Extremen glaubwürdig ausgearbeitet und auch der Hintergrund um die Unterwelt-Menschen entbehrt nicht der Logik. Das einzig Störende sind ein paar Passagen, in denen ein bisschen Lokalkolorit einfließen sollte, der aber ein wenig aufgesetzt wirkt und der Handlung weder dienlich noch irgendwie wichtig für sie ist (Der Treteimer im Hotel zum Beispiel). Als zeithistorisches Element sind sie nette Anekdoten, könnten aber auch genauso gut weg bleiben.

Der Siegerroman einer Ausschreibung des Onlinemagazins geisterspiegel.de ist als Hardcoverausgabe ein Hingucker. Da aber der Buchblock fest mit dem Rücken verklebt ist (wie bei einem Taschenbuch) muss man es sehr weit aufdrücken, weil das Layout nur sehr schmale Ränder hat. Ein paar Seiten im Buchblock mehr hätten der Optik und der Lesefreundlichkeit gutgetan. Eine etwas auffälligerer Titelfont auch.

Fazit:

Andreas Zwengel hat einen wirklich rasanten Roman geschaffen, der sich nicht vor den großen Namen verstecken braucht.

Chris Schlicht


Rezension aus phantastik-news.de vom 14.07.2009
China um 1900. Immer größere Teile des chinesischen Kaiserreichs werden von den Europäischen Kolonialmächten besetzt. Es gilt, die Reichtümer Asiens für die mächtigen Nationen zu erschließen, das alt-ehrwürdige, technisch aber hoffnungslos veraltete Reich, auszubeuten.
Auch das Deutsche Reich beteiligt sich an diesen Plänen. In Tsingtau sorgen deutsche Ingenieure dafür, dass Straßen und prächtige Häuser gebaut werden, eine Eisenbahn ist in Planung.
Anton Slabon, ein erfolgloser Vermessungsingenieur aus Berlin, und seine Familie zieht es ins ferne China. Hier, weitab vom Reich, in dem nur derjenige Karriere machen kann, der einen entsprechenden Stammbaum vorweist, hofft er mit seinem Können und Fleiß punkten zu können.
Während er sich die Karriereleiter hinaufarbeitet, kümmert sich eine Zugehfrau um seine kleine Tochter. Kurz bevor der Boxeraufstand den Großmachtplänen der Europäer einen Schuss vor den Bug setzt, wird die Familie Slabons ermordet, das übersinnlich begabte Kind entführt.
Die Spur führt ins Deutsche Reich. Hier, in Frankfurt am Main, wird das Kind von einer unbekannten Gruppe skrupelloser Männer untersucht. Währenddessen rekrutiert Geheimrat von Holstein vom Auswärtigen Amt mit Walter Seyferd, einem frustrierten Ex-Polizisten, um in Berlin den überall in Europa unter der Erde, in Bergwerksstollen wie U-Bahnschächten, auftauchenden mysteriösen Zeichen nachzugehen. Der kauzige Ermittler Seyferd und der ihm zur Seite gestellte Professor Piscator kommen einem alten, wohlgehüteten Geheimnis auf die Spur. In den Stollen unter der Reichshauptstadt stoßen sie auf einen Albino, der fließend Burgundisch spricht, eine Sprache, die seit Jahrhunderten ausgestorben ist. Das Zeichen an den Wänden entpuppt sich als Karte, ein weiterer Hinweis auf alte burgundische Wurzeln. Doch wie hängt dies alles zusammen, wie passen das übersinnliche begabte Kind und eine Geheimsekte ins Bild, und was nur verbirgt sich tief in der ewigen Nacht unter den europäischen Reichen ....?

Letztes Jahr schrieb das Onlineportal geisterspiegel.de in Zusammenarbeit mit dem Persimplex Verlag einen Romanwettbewerb aus. Vorliegendes Werk errang damals den Siegerlorbeer und wurde mit einer hochwertigen Hardcover-Ausgabe geadelt.

Kommen wir zunächst zum Buch selbst. Der Druck ist sauber, das Schriftbild gefällig, die Bindung sorgfältig, so dass der Leser hier einen adäquate Gegenwert für sein Salär erhält.

Inhaltlich hat mich das Buch überrascht. Der noch unbekannte Autor erzählt stilistische solide und inhaltlich packend eine herrlich überdrehte Steampunk-Story, die endlich einmal nicht im viktorianischen England angesiedelt ist, sondern sich heimischer Orte und Figuren bedient.

Ich habe es schon oft bemängelt, dass deutsche Autoren markante historische Aufhänger wie etwa die Hanse, den Deutschen Orden oder die Fugger ignorieren, und stattdessen immer wieder ihre Handlungen an die Themse verlegen.
Zwengel zeigt auf, dass auch unsere Gegend und Geschichte interessante Anknüpfungspunkte bietet. Einmal abgesehen von Kai Meyer und Michael Kirchschläger, der mit seinen „Grako“-Romanen bei Festa hier ein einsamer Rufer in dunklem Wald ist, wagt sich bislang kein phantastischer Autor an die Wilhelminische Ära heran. Dabei sind Geheimräte und kaiserliche Inspektoren, Kolonialismus und Bismarck'sche Intrigen doch durchaus faszinierend und würden Anknüpfungspunkte genug bieten.
Andreas Zwengel nutzt eben diese Aufhänger für seine Handlung. Geschickt lässt er hierbei sein Wissen um die damaligen Lebensumstände in die Handlung einfließen, zeigt uns das Bild eines ganz anderen Deutschlands, als wir es gemeinhin kennen. Zwar ordnet auch er Vieles seiner Handlung unter, doch die Faszination, die die Beschreibung des Lebens zur damaligen Zeit auf mich ausgeübt hat, ist nicht zu vernachlässigen.
In diese uns fremde und unbekannte Welt baut er dann seinen Plot um ein unterirdisches Reich und dessen Bewohner auf. Mit detektivischen Gespür eilen wir von Nord nach Süd, von Berlin über Frankfurt, München bis an den Bodensee.
Dabei fährt der Autor auf, was im Steampunk gut und geschätzt ist. So verfolgen mit unseren Ermittlern an Bord eines Luftschiffes aus Zeppelin'scher Fertigung einen Land-Wasserleviatan, dürfen Bill Cody und seine Wildwest- Show auftreten sehen und uns gemeinsam mit unserer Expedition auf Verne 'schen Spuren ins Erdinnere begeben. Attentäter tauchen auf, der oberste Stock einen Luxushotels fliegt in die Luft - die Handlung verwöhnt den Leser mit unvorhersehbaren Wendungen und immer neuen Ideen.

Letzteres ist dann auch ein kleiner Kritikpunkt. Der Autor hat fast zu viel in seinen Roman hineingepackt. Die unterschiedlichsten Gruppierungen treten auf, deren Motivation lange unklar bleibt. Auch den eigentlichen Grund, warum sich die Familien ins Erdinnere zurückzogen und dort ihr Reich gründeten, bleibt ein wenig diffus.
Ansonsten hat Zwengel einen herrlichen Genremix vorgelegt, der neben seiner mehr als abwechslungsreichen Suche nach der Aufklärung der Rätsel mit markanten Figuren und geschichtlichen Orten punktet.

Carsten Kuhr


Rezension aus phantastik-couch.de
„Neuer, deutscher Steampunk“
Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts, Fortschrittglauben und das industrielle Zeitalter sind unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Aber irgendjemand scheint sich genau dieser Unaufhaltsamkeit entgegen zu stellen. In erschreckendem Maße gibt es unerklärliche Grubenunglücke, Sabotageakte und Explosionen und überall in Europa werden seltsame Zeichen gefunden, wann immer diese Anschläge geschehen. Der Expolizist Seyferd, ein rationaler, zynischer Mensch, der gern zupackt und Piscator, ein verschrobener Gelehrter, werden als Duo wider Willen auf den Fall angesetzt. Je weiter sie ihre Forschungen treiben, desto unglaublicher erscheint die Wahrheit. Wer sind die Attentäter, die offensichtlich wörtlich im Untergrund leben und was bedeutet das für die Welt?

Bis ins ferne China reicht der Einfluss der Kolonialmächte, die auch hier die Bodenschätze und Reichtümer erschließen wollen. Deutsche Ingenieure kommen dazu nach China, unter ihnen Anton Slabon, mit Frau und Kind. Endlich will er Karriere machen, das ist ihm zu Hause in Berlin nicht gelungen. Während er kaum noch Zeit für seine Familie hat, erregt seine Tochter Esther mitten in den Wirren des Boxeraufstands mit paranormalen Fähigkeiten die Aufmerksamkeit mächtiger Strippenzieher. Und wer genau ist Marie Frost, die so kalt und berechnend wie ihr Name ist und ist es wirklich Zufall, das gerade sie als Esthers Kindermädchen arbeitet? Dann kommt es zur Auslöschung der Familie Slabon. Aber sind wirklich alle tot?

Das Industriezeitalter fordert Opfer

„Die Welt am Abgrund“ ist der Siegerroman einer Ausschreibung des Onlinemagazins www.geisterpiegel.de und wurde als Preis vom Persimplex Verlag als Hardcover herausgegeben. In diesem Erstlingswerk legt Andreas Zwengel ein originelles Steampunk-Werk vor, das endlich mal nicht im alten Großbritannien spielt. Als deutscher Autor beschäftigt sich Zwengel mit Handlungsorten „vor der Tür“ und erweckt diese gekonnt zum Leben. Thema und die indirekte Art der Erzählung sind der Zeit der Handlung angemessen, es schwingt ein Hauch Jules Verne und Wells mit. Natürlich erinnert Esther auch ein wenig an das Feuerkind von King, aber das passt gut in die philosophische Grundidee des Werkes: Denn es geht um die Natur des Menschen, den Fortschritt, wie das zusammenpasst und was geschähe, wenn jemand, egal ob Person oder Volk, eine Waffe der ganz besonderen Art hätte. Dafür wird der Leser nach Frankfurt, China, München und die Schweiz entführt, jagt wie die Ermittler den seltsamen Spuren nach und versucht die Bruchstücke zusammenzufügen. Seltsame Albinos treten auf, Buffalo Bill und seine Wildwestshow sind auf einer ganz eigenen Mission unterwegs und die ausgestorbene Sprache Burgundisch wird unter Tage doch noch gesprochen.

Die Geschichte ist spannend und solide konstruiert. Anfangs irritiert, dass jedes Kapitel wie eine Kurzgeschichte für sich erscheint. Die Figuren, die der Leser als Hauptfiguren identifiziert, werden aufwendig eingeführt und sterben dann oder verschwinden für lange Zeit. So muss man sich in jedem Kapitel erst neu einfinden. Erst nach und nach ergeben sich die Zusammenhänge: Man begegnet Figuren aus früheren Kapiteln wieder, an anderen Orten, in anderen Situationen. Doch je weiter der Roman vorrückt, desto deutlicher wird für den Leser das Netz dahinter.

Die Verfolgungsjagd von Zeppelin und Leviathan zum Ende hin war zwar etwas lang und zu diffus, aber das ist Mäkeln auf hohem Niveau. Das äußerst gelungene Ende, das dem Titel „Die Welt am Abgrund“ erst seine Vielschichtigkeit gibt, gleicht das vollauf aus.

Verena Wolf