Christina Focken

Die Wiedergutmachung

Hardcover A5, 124 Seiten
ISBN: 978-3-86440-226-5
Preis 11,20 € (inkl. MwSt)

„Hartmut ist gestern verstorben. … und nun musst du dich um die Beisetzung kümmern. Steht ja im Testament. Ich habe Sebastian auf übermorgen vertrösten können. Wir fahren ja ohnehin morgen. Also keine Panik. Nur solltest du das Bestattungsinstitut schon von hier aus anrufen, dass sie den Leichnam aus dem Pflegeheim in Soest abholen. Hast du die Telefonnummer?“, wollte Hendrik wissen.
„Ja, Gott sei Dank habe ich diese vorsorglich in meinen Notizkalender eingetragen. Warte, hier ist sie“, sagte ich und gab sie ihm.
Hendrik rief dort sofort an und veranlasste die Überführung ins Krematorium und dann später nach Bad Pyrmont zur Urnenbeisetzung.
„Soll es denn gar keine Totenfeier so wie bei Mutter geben?“, wollte ich wissen. „Nein, Sebastian wollte keine. Er soll sofort ins Krematorium gebracht werden. Also können wir weiter in aller Ruhe unseren letzten Urlaubstag genießen. Mehr können wir ohnehin nicht tun.“ Stimmt, da hatte er Recht. Na ja, wenn Sebastian es so wollte. Somit war Hartmut fast auf den Tag zwei Jahre nach Mutter verstorben.

Das Testament wurde zum zweiten Mal eröffnet, was bedeutete, dass ich nun das Erbe antreten sollte und mein Bruder und mein Cousin ausgezahlt werden mussten.
Ich sorgte dafür, dass Hartmut neben Mutter beigesetzt wurde; dieses Mal war Sebastian allerdings bei der Urnenbeisetzung mit dabei (musste er wohl, es war ja schließlich sein Vater!), während Andreas wieder durch Abwesenheit glänzte. Als wir Sebastian fragten, ob er mit uns noch einen Drink auf seinen Vater nehmen wolle, hatte auch er plötzlich dazu keine Zeit mehr. Es wurden noch ein paar Formalitäten über die Immobilie ausgetauscht, dann verabschiedeten wir uns. Es sollte das letzte Mal sein, dass ich meinen Cousin umarmte.