Martin Lenz

Pfarrerstöchter töten nicht

Hardcover A5, 220 Seiten
ISBN: 978-3-942157-24-7
Preis 17,20 € (inkl. MwSt)

Als ich am Tatort eintraf, verkündete das helle Glöckchen der Dorfkirche elf Uhr. Montagmorgen, und ich fühlte mich zerschlagen. Die beiden Abende zuvor war es spät geworden.
Eine alte Frau saß mit gefalteten Händen im Flur. Unbewegt blickte sie durch die offene Tür in den Schlafraum, als begreife sie nicht, was geschehen war. Sie saß da, mit starren, leeren Augen, geschockt, und wie es schien, nicht ansprechbar. Die Männer taten ihre Arbeit, ohne auf sie zu achten.
Ich schaute mich um. Der Tathergang selbst gab keine Rätsel auf. Ein flüchtiger Blick erfasste alles, und viel mehr, als man sah, konnte der Amtsmediziner auch nicht sagen, noch nicht.
Der Tote lag in seinem Bett, den Schädel eingeschlagen. Ein schwerer Hieb mit einem harten Gegenstand, der den Stirnknochen in der Mitte durchbrochen und einen Lappen von grauer Gehirnmasse hatte hervorquellen lassen. Blut war auf das Kissen geflossen, offensichtlich nicht allzu viel und das auch bereits verkrustet.
- Mordwaffe?
Der Arzt wies auf den Hammer, der am Bettpfosten lehnte, als habe der Mörder sich und sein Werkzeug selbstgerecht präsentieren wollen.
- Mörder oder Mörderin, verbesserte der Polizeiarzt. Diesen Hammerhieb auf eine tief schlafende Glatze hätte selbst ein kleines Mädchen ausführen können.