Durchblick im Genrechaos – in welches Genre passt mein Buch?

Gerade neue oder angehende Autoren haben oft zwar eine gute Idee im Kopf, sind sich aber, was das Genre angeht, nicht sicher beziehungsweise kennen die genrespezifischen Anforderungen nicht. In der letzten Zeit hat es sich zwar als sehr erfolgreich erwiesen, Genres auch miteinander zu mixen, einen Science Fiction Roman etwa mit einer Liebesgeschichte, einen historischen Roman mit einem Krimi, doch auch um das zu tun, muss man mit den Merkmalen der Genres vertraut sein.

Sich über das Genre vor dem Schreiben Gedanken zu machen, ist mindestens genauso wichtig, wie über die Zielgruppe nachzudenken, die das Buch später kaufen soll. Sowohl offline, also im Buchladen, als auch online, hat man oft nur wenige Sekunden, um potenzielle Leser vom Kauf zu überzeugen. Ein ansprechendes Cover und ein guter Titel sind der erste Blickfang, doch dann geht es darum, mit dem Klappentext den Leser zu überzeugen. Uneindeutigkeit, was Genre und Inhalt angehen, gehören zu den häufigsten Faktoren, warum ein Buch nach anfänglichem Interesse nicht gekauft wird. Viele Leser sind Gewohnheitsleser. Sie haben sich auf ein oder mehrere Genres festgelegt und stellen gewisse Erwartungen an ein Buch. Diese gilt es zu erkennen – und zu befriedigen.

Was ist ein Genre?

Das Genre beschreibt die Gattung, der ein Buch angehört. Es gibt die sogenannte erzählende Literatur, die sich in Form von Krimis, historischen Romane, Fantasy- und Horrorromanen, Märchen und Liebesromanen findet. Daneben gibt es Sachbücher, zu denen vom Kochbuch bis zum Essay alle möglichen Inhalte gehören können. Biografien können sowohl der Belletristik, also der erzählenden Literatur angehören, als auch Sachbüchern, je nachdem, wie sie aufgebaut sind. Sowohl Sachbücher als auch erzählende Literatur gehören zur Prosa. Dann gibt es noch die Lyrik, die Gedichte umfasst, die sich klassischerweise an ein bestimmtes Versmaß halten und/oder sich reimen.

Was verbindet ein Leser mit dem Genre?

Es ist wichtig, dem Leser sowohl mit dem Titel, als auch mit Cover und Klappentext einen eindeutigen Hinweis zu geben, zu welchem Genre das Buch gehört. Bereits beim Schreiben aber ist es von Bedeutung, die genretypischen Regeln einzuhalten. Ein Krimi ohne Mord ist kein Krimi, ein Fantasyroman ohne Fantasiewelt oder Fantasiegestalten ist kein Fantasyroman. Eine Liebesgeschichte kann in beiden vorkommen, darf aber nicht die Hauptrolle spielen. Ansonsten ist es nämlich ein Liebesroman. Wer ein Science-Fiction Buch schreibt, sollte sich mit wissenschaftlichen Zusammenhängen auskennen und nicht einfach magische Erklärungen aus dem Hut zaubern – das mag die Fangemeinde gar nicht. Auch muss ein Genremix kongruent sein, das heißt, es muss eine klare Aufteilung oder Verknüpfung geben, ein Fantasyroman, der ab der Hälfte des Buches zum Krimi wird, ist für den Leser eine Enttäuschung.

Wie finde ich mein Genre?

Jeder gute Autor ist auch ein begeisterter Leser. Welche sind Ihre Lieblingsgenres? Vermutlich sind Sie dann auch ganz intuitiv mit den genrespezifischen Regeln vertraut. Ein Western ohne viel Peng-Peng kann schnell kein Western mehr sein, ein Krimi mit magischen Elementen wird eher empörte Reaktionen hervorrufen. Bei aller künstlerischen Freiheit wird gerade von neuen Autoren oft vergessen, dass am Ende der Arbeit ein Produkt steht, das anderen zur Unterhaltung dient und auch nur dann Erfolg hat, wenn es Erwartungen erfüllt – oder im besten Fall noch übertrifft. Gerade Vielleser mögen künstlerische Überraschungen gar nicht, dafür gutes Handwerk. Gutes schriftstellerisches Handwerk zeichnet sich dadurch aus, dass es einen spannenden und neuartigen Plot gibt, außerdem vielschichtige Charaktere, gute Erzählungen und Dialoge, überraschende Wandlungen und dass die genretypischen Anforderungen erfüllt sind – auch wenn sie dann an einzelnen Stellen künstlerisch durchbrochen werden.

Es mag Autoren geben, die gut damit fahren, sich nur von ihrer Kreativität leiten zu lassen und einfach drauf los schreiben. Unsere Erfahrung als Verlag aber zeigt, dass das nur selten gut geht. Gerade für neue Autoren ist die Vorarbeit unerlässlich, diese umfasst nicht nur die Recherche, was in dem jeweiligen Genre gerade angesagt ist (vielleicht gibt es ja bereits ein Buch mit ganz ähnlichem Plot?), sondern auch die klare Auflistung, welche Gattungsmerkmale das Buch erfüllen soll und welche nicht. Beispielsweise kann ein Fantasybuch durchaus mit einem Mord beginnen und sich auf den ersten Seiten wie ein Krimi lesen – um dann mit einer übernatürlichen Erklärung für die Morde weiterzumachen. Ähnlich wie die Prämisse hilft Ihnen das Genre, den roten Faden in Ihrem Buch nicht aus den Augen zu verlieren.