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| Die
Welt am Abgrund von Andreas Zwengel |
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| Rezension aus clockworker.de |
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Stimmige Steampunkgeschichten
müssen nicht immer
im viktorianischen England spielen.
Dass diese Aussage durchaus berechtigt ist, beweist
Andreas Zwengel mit seinem ersten Roman “Die
Welt am Abgrund”, dessen Handlung sich in (und
teilweise auch unter) China, Deutschland und der Schweiz
abspielt.
In kurzen und prägnanten Sätzen webt der
Autor auf 243 Seiten eine fesselnde Geschichte über
ein geheimnisvolles Untergrundvolk, das sich mit Hilfe
von Sabotageakten und Attentaten seiner Entdeckung
durch die bismarkschen Autoritäten zu entziehen
versucht.
Auf eine all zu genaue Zusammenfassung des Inhaltes
möchte ich an dieser Stelle verzichten, da die
unvorhersehbaren Entwicklungen und überraschenden
Wendungen, mit welchen sich die Hauptfiguren im Laufe
der Geschichte konfrontiert sehen, den Leser zum mitraten
animieren – und diesen Spaß möchte
ich keinem nehmen.
Jedoch sei so viel gesagt: Wer sich an der detektivischen
Zusammenarbeit eines heruntergekommenen Ex-Polzisten
und eines sarkastischen Professors, an Geheimräten,
ausgestorbenen Sprachen, seltsamen Experimenten und
einer Verfolgungsjagd zwischen Zeppelin und Land-Leviathan
erfreuen kann, dem dürfte
es bei dieser Lektüre kaum langweilig werden.
“Die Welt am Abrund” war übrigens
Siegerroman einer Ausschreibung des Onlinemagazins
Geisterspiegel.de und verdiente sich somit ein Erscheinen
als Hardcoverbuch beim Persimplex Verlag.
Sylke Brandt |
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| Rezension aus fantasyguide.de vom 10.04.2010 |
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In England werden
Bohrmaschinen zur Erzförderung
zerstört. Ein nach China ausgewandertes Ehepaar
bekommt eine Tochter und wird in den ersten aufkeimenden
Kämpfen des Boxeraufstandes scheinbar von den Chinesen
getötet. Das Kindermädchen der Familie hat
das Kind mitgenommen und wird in Peking von einem jungen
Mann erwischt. Sie schießt auf ihn. In Deutschland wird Walther Seyferd als Sonderermittler
des Auswärtigen Amtes einberufen. Zusammen mit
dem überheblichen Professor Piscator soll er herausfinden,
was es mit einem seltsamen Zeichen auf sich hat, das
an verschiedenen Orten in Europa immer an einer Unglücksstelle
auftauchte. Man befürchtet, dass auf die neu gebaute
U-Bahn in der Hauptstadt ein Anschlag verübt werden
soll denn auch dort wurde das Zeichen entdeckt.
Tatsächlich geschieht ein Unglück in der
U-Bahn und die beiden grundverschiedenen Männer
stoßen auf einen Albino, der eine tote Sprache
spricht. Doch bevor sie ihn befragen können, wird
er von einer anderen Gruppe Männern getötet.
Als Seyferd auf einer Landkarte erkennt, was es mit
dem Zeichen auf sich hat und es Piscator tatsächlich
gelingt, den Hintergrund zu ermitteln, überschlagen
sich die Ereignisse. Ein Anschlag wird auf ihr Büro
verübt, Piscator wird in eine Irrenanstalt verlegt,
wo man ihn unter Drogen setzt und mundtot macht. Seyferd
kann ihn befreien, aber sie verlieren damit nahezu
jede Unterstützung und sind auf sich gestellt.
Währenddessen wird an einem geheimen Ort ein
Mädchen getestet, das über nahezu irrsinnige
Fähigkeiten verfügt – tödliche
Fähigkeiten...
Die Geschichte beginnt mit einem Kracher im Prolog,
geht dann aber eher behäbig weiter. Ein Ehepaar
wird mit all seinen Macken und Hintergründen beschrieben,
spielt dann aber keine Rolle mehr. Geschichtliche Gegebenheiten
wirken am Anfang eher wie Infodump, zu viel rohe Information
ohne Leben auf zu wenigen Seiten. Man wird nach dem
ersten und auch dem zweiten Kapitel den Eindruck nicht
los, es mit einem zweiten und dritten Prolog zu tun
zu haben, auch wenn ein Happen Action darin ist.
Aber dann.
Dann legt der Roman richtig los und man legt ihn nicht
mehr aus der Hand. Wer die ersten Kapitel durchhält,
wird mit einer temporeichen, unheimlichen und nicht
gerade zimperlichen Verschwörungsgeschichte um
ein Mädchen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten
und verschiedenen Gruppen von Menschen mit unterschiedlichsten
Zielen belohnt. All das ist spielt vor einem offensichtlich
gut recherchierten Hintergrund im Deutschland der Jahrhundertwende,
spart aber auch nicht mit Steampunk- und fantastischen
Elementen.
Die Charaktere sind selbst in ihren Extremen glaubwürdig
ausgearbeitet und auch der Hintergrund um die Unterwelt-Menschen
entbehrt nicht der Logik. Das einzig Störende
sind ein paar Passagen, in denen ein bisschen Lokalkolorit
einfließen sollte, der aber ein wenig aufgesetzt
wirkt und der Handlung weder dienlich noch irgendwie
wichtig für sie ist (Der Treteimer im Hotel zum
Beispiel). Als zeithistorisches Element sind sie nette
Anekdoten, könnten aber auch genauso gut weg bleiben.
Der Siegerroman einer Ausschreibung des Onlinemagazins
geisterspiegel.de ist als Hardcoverausgabe ein Hingucker.
Da aber der Buchblock fest mit dem Rücken verklebt
ist (wie bei einem Taschenbuch) muss man es sehr weit
aufdrücken, weil das Layout nur sehr schmale Ränder
hat. Ein paar Seiten im Buchblock mehr hätten
der Optik und der Lesefreundlichkeit gutgetan. Eine
etwas auffälligerer Titelfont auch.
Fazit:
Andreas Zwengel hat einen wirklich rasanten Roman
geschaffen, der sich nicht vor den großen Namen
verstecken braucht.
Chris Schlicht
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| Rezension aus phantastik-news.de vom
14.07.2009 |
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China um 1900.
Immer größere Teile des chinesischen Kaiserreichs
werden von den Europäischen Kolonialmächten
besetzt. Es gilt, die Reichtümer Asiens für
die mächtigen Nationen zu erschließen, das
alt-ehrwürdige, technisch aber hoffnungslos veraltete
Reich, auszubeuten.
Auch das Deutsche Reich beteiligt sich an diesen Plänen.
In Tsingtau sorgen deutsche Ingenieure dafür, dass
Straßen und prächtige Häuser gebaut werden,
eine Eisenbahn ist in Planung.
Anton Slabon, ein erfolgloser Vermessungsingenieur aus
Berlin, und seine Familie zieht es ins ferne China. Hier,
weitab vom Reich, in dem nur derjenige Karriere machen
kann, der einen entsprechenden Stammbaum vorweist, hofft
er mit seinem Können und Fleiß punkten zu
können.
Während er sich die Karriereleiter hinaufarbeitet,
kümmert sich eine Zugehfrau um seine kleine Tochter.
Kurz bevor der Boxeraufstand den Großmachtplänen
der Europäer einen Schuss vor den Bug setzt, wird
die Familie Slabons ermordet, das übersinnlich begabte
Kind entführt.
Die Spur führt ins Deutsche Reich. Hier, in Frankfurt
am Main, wird das Kind von einer unbekannten Gruppe skrupelloser
Männer untersucht.
Währenddessen rekrutiert Geheimrat von Holstein
vom Auswärtigen Amt mit Walter Seyferd, einem
frustrierten Ex-Polizisten, um in Berlin den überall
in Europa unter der Erde, in Bergwerksstollen wie U-Bahnschächten,
auftauchenden mysteriösen Zeichen nachzugehen.
Der kauzige Ermittler Seyferd und der ihm zur Seite
gestellte Professor Piscator kommen einem alten, wohlgehüteten
Geheimnis auf die Spur. In den Stollen unter der Reichshauptstadt
stoßen sie auf einen Albino, der fließend
Burgundisch spricht, eine Sprache, die seit Jahrhunderten
ausgestorben ist. Das Zeichen an den Wänden entpuppt
sich als Karte, ein weiterer Hinweis auf alte burgundische
Wurzeln. Doch wie hängt dies alles zusammen, wie
passen das übersinnliche begabte Kind und eine
Geheimsekte ins Bild, und was nur verbirgt sich tief
in der ewigen Nacht unter den europäischen Reichen
....?
Letztes Jahr schrieb das Onlineportal geisterspiegel.de
in Zusammenarbeit mit dem Persimplex Verlag einen
Romanwettbewerb aus. Vorliegendes Werk errang damals
den Siegerlorbeer und wurde mit einer hochwertigen
Hardcover-Ausgabe geadelt.
Kommen wir zunächst zum Buch selbst. Der Druck
ist sauber, das Schriftbild gefällig, die Bindung
sorgfältig, so dass der Leser hier einen adäquate
Gegenwert für sein Salär erhält.
Inhaltlich hat mich das Buch überrascht. Der
noch unbekannte Autor erzählt stilistische solide
und inhaltlich packend eine herrlich überdrehte
Steampunk-Story, die endlich einmal nicht im viktorianischen
England angesiedelt ist, sondern sich heimischer Orte
und Figuren bedient.
Ich habe es schon oft bemängelt, dass deutsche
Autoren markante historische Aufhänger wie etwa
die Hanse, den Deutschen Orden oder die Fugger ignorieren,
und stattdessen immer wieder ihre Handlungen an die
Themse verlegen.
Zwengel zeigt auf, dass auch unsere Gegend und Geschichte
interessante Anknüpfungspunkte bietet. Einmal
abgesehen von Kai Meyer und Michael Kirchschläger,
der mit seinen „Grako“-Romanen bei Festa
hier ein einsamer Rufer in dunklem Wald ist, wagt sich
bislang kein phantastischer Autor an die Wilhelminische Ära
heran. Dabei sind Geheimräte und kaiserliche Inspektoren,
Kolonialismus und Bismarck'sche Intrigen doch durchaus
faszinierend und würden Anknüpfungspunkte
genug bieten.
Andreas Zwengel nutzt eben diese Aufhänger für
seine Handlung. Geschickt lässt er hierbei sein
Wissen um die damaligen Lebensumstände in die
Handlung einfließen, zeigt uns das Bild eines
ganz anderen Deutschlands, als wir es gemeinhin kennen.
Zwar ordnet auch er Vieles seiner Handlung unter, doch
die Faszination, die die Beschreibung des Lebens zur
damaligen Zeit auf mich ausgeübt hat, ist nicht
zu vernachlässigen.
In diese uns fremde und unbekannte Welt baut er dann
seinen Plot um ein unterirdisches Reich und dessen
Bewohner auf. Mit detektivischen Gespür eilen
wir von Nord nach Süd, von Berlin über Frankfurt,
München bis an den Bodensee.
Dabei fährt der Autor auf, was im Steampunk gut
und geschätzt ist. So verfolgen mit unseren Ermittlern
an Bord eines Luftschiffes aus Zeppelin'scher Fertigung
einen Land-Wasserleviatan, dürfen Bill Cody und
seine Wildwest- Show auftreten sehen und uns gemeinsam
mit unserer Expedition auf Verne 'schen Spuren ins
Erdinnere begeben. Attentäter tauchen auf, der
oberste Stock einen Luxushotels fliegt in die Luft
- die Handlung verwöhnt den Leser mit unvorhersehbaren
Wendungen und immer neuen Ideen.
Letzteres ist dann auch ein kleiner Kritikpunkt. Der
Autor hat fast zu viel in seinen Roman hineingepackt.
Die unterschiedlichsten Gruppierungen treten auf, deren
Motivation lange unklar bleibt. Auch den eigentlichen
Grund, warum sich die Familien ins Erdinnere zurückzogen
und dort ihr Reich gründeten, bleibt ein wenig
diffus.
Ansonsten hat Zwengel einen herrlichen Genremix vorgelegt,
der neben seiner mehr als abwechslungsreichen Suche
nach der Aufklärung der Rätsel mit markanten
Figuren und geschichtlichen Orten punktet.
Carsten Kuhr
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| Rezension aus phantastik-couch.de |
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„Neuer,
deutscher Steampunk“
Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts, Fortschrittglauben
und das industrielle Zeitalter sind unaufhaltsam
auf dem Vormarsch. Aber irgendjemand scheint sich
genau dieser Unaufhaltsamkeit entgegen zu stellen. In erschreckendem Maße
gibt es unerklärliche Grubenunglücke, Sabotageakte und Explosionen
und überall in Europa werden seltsame Zeichen gefunden, wann immer diese
Anschläge geschehen. Der Expolizist Seyferd, ein rationaler, zynischer
Mensch, der gern zupackt und Piscator, ein verschrobener Gelehrter, werden
als Duo wider Willen auf den Fall angesetzt. Je weiter sie ihre Forschungen
treiben, desto unglaublicher erscheint die Wahrheit. Wer sind die Attentäter,
die offensichtlich wörtlich im Untergrund leben und was bedeutet das für
die Welt?
Bis ins ferne China reicht der Einfluss der Kolonialmächte, die auch
hier die Bodenschätze und Reichtümer erschließen wollen. Deutsche
Ingenieure kommen dazu nach China, unter ihnen Anton Slabon, mit Frau und Kind.
Endlich will er Karriere machen, das ist ihm zu Hause in Berlin nicht gelungen.
Während er kaum noch Zeit für seine Familie hat, erregt seine Tochter
Esther mitten in den Wirren des Boxeraufstands mit paranormalen Fähigkeiten
die Aufmerksamkeit mächtiger Strippenzieher. Und wer genau ist Marie Frost,
die so kalt und berechnend wie ihr Name ist und ist es wirklich Zufall, das
gerade sie als Esthers Kindermädchen arbeitet? Dann kommt es zur Auslöschung
der Familie Slabon. Aber sind wirklich alle tot?
Das Industriezeitalter fordert Opfer
„Die Welt am Abgrund“ ist der Siegerroman einer Ausschreibung
des Onlinemagazins www.geisterpiegel.de und wurde als Preis vom Persimplex
Verlag als Hardcover herausgegeben. In diesem Erstlingswerk legt Andreas Zwengel
ein originelles Steampunk-Werk vor, das endlich mal nicht im alten Großbritannien
spielt. Als deutscher Autor beschäftigt sich Zwengel mit Handlungsorten „vor
der Tür“ und erweckt diese gekonnt zum Leben. Thema und die indirekte
Art der Erzählung sind der Zeit der Handlung angemessen, es schwingt ein
Hauch Jules Verne und Wells mit. Natürlich erinnert Esther auch ein wenig
an das Feuerkind von King, aber das passt gut in die philosophische Grundidee
des Werkes: Denn es geht um die Natur des Menschen, den Fortschritt, wie das
zusammenpasst und was geschähe, wenn jemand, egal ob Person oder Volk,
eine Waffe der ganz besonderen Art hätte. Dafür wird der Leser nach
Frankfurt, China, München und die Schweiz entführt, jagt wie die
Ermittler den seltsamen Spuren nach und versucht die Bruchstücke zusammenzufügen.
Seltsame Albinos treten auf, Buffalo Bill und seine Wildwestshow sind auf einer
ganz eigenen Mission unterwegs und die ausgestorbene Sprache Burgundisch wird
unter Tage doch noch gesprochen.
Die Geschichte ist spannend und solide konstruiert. Anfangs irritiert, dass
jedes Kapitel wie eine Kurzgeschichte für sich erscheint. Die Figuren,
die der Leser als Hauptfiguren identifiziert, werden aufwendig eingeführt
und sterben dann oder verschwinden für lange Zeit. So muss man sich in
jedem Kapitel erst neu einfinden. Erst nach und nach ergeben sich die Zusammenhänge:
Man begegnet Figuren aus früheren Kapiteln wieder, an anderen Orten, in
anderen Situationen. Doch je weiter der Roman vorrückt, desto deutlicher
wird für den Leser das Netz dahinter.
Die Verfolgungsjagd von Zeppelin und Leviathan zum Ende hin war zwar etwas
lang und zu diffus, aber das ist Mäkeln auf hohem Niveau. Das äußerst
gelungene Ende, das dem Titel „Die Welt am Abgrund“ erst seine
Vielschichtigkeit gibt, gleicht das vollauf aus.
Verena Wolf |
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