Horst Menges

Kriegstagebuch von Mingo

Hardcover A5, 162 Seiten
ISBN: 978-3-942157-53-7
Preis: 12,60 € (inkl. MwSt)

26.1.42
Draußen sollen wir nach Aussagen von Neuangekommenen eine Temperatur von –48° C haben. Na, ich danke! Ich bin immer noch hier; als ich gestern dem Arzt bei der Visite meinen O.B. Befund zeigte, fragte er mich nur nach meinem Beruf und hüllte sich ansonsten in Stillschweigen. Nitschewo! –
Durch die Berichte der Verwundeten in den letzen Wochen kann ich mir jetzt ein einigermaßen klares Bild der Lage im mittleren Frontabschnitt des Ostens machen. Trotz des schon einsetzenden Winters und trotz der mangelnden Ausrüstung der Truppen startete eine völlig verantwortungslose Führung einen weiteren Angriff Ende November von Norden mit dem Ziel Moskau von Norden her einzuschließen und wenn möglich noch vor Weihnachten die Stadt zu besetzen. Der Russe leistete anfangs keinen Wiederstand, was zu falschen Hoffnungen führte. Man kam gut vorwärts, Klin wurde genommen, der Wolga-Moskwa-Kanal erreicht und überschritten. Aber unsere linke Flanke wurde dadurch immer schwächer und als am 5.12. die große Kälte von über 30° C einsetze, holte der Gegner zum Schlag aus. Er traf uns in die linke Flanke und die kopflose und wilde Flucht unserer Truppen ist durchaus verständlich.

Was für Divisionen waren es denn, die dort bei Klin standen? Ausgelaugt bis zum letzten, von Anfang an im Kampf stehend, haben sie jetzt kaum noch die Hälfte ihrer eigentlichen Kampfstärke. Und der Russe verfügte über frische, an Kälte gewöhnte sibirische Truppen. Als logische Schlussfolgerung dieses Schlamassels waren die ungeheuren Verluste unsrerseits und das große „Generalstabsterben“ Bock, v. Brauchitsch, Strauß mussten gehen, Reichenau soll sich erschossen haben und so fort. Der Russe hat es verstanden, dieses Durcheinander bei uns so gut auszunutzen, dass selbst die Anwesenheit des Führers in den Weihnachtstagen in Stariza nichts nutzte, Stariza wurde kurze Zeit später von uns aufgegeben. – Karte an Ruth.